| Bildungsstandards
sind attraktiv - und problematisch
Ein kritischer Zwischenruf von Hans-Günter Rolff
In Frankfurter Rundschau vom 12.03.2003
Rolf beleuchtet die momentane Euphorie für Bildungsstandards recht
kritisch. Seine Kritik bezieht sich dabei auf die folgenden Punkte:
Den gesamten Text finden Sie hier:
Bildungsstandards
sind attraktiv - und problematisch
Exzerpt:
1 . Wie kommen die schulischen Leistungen zustande
"So richtig es ist, dass die deutsche Schulpolitik die Seite der
Leistungsergebnisse bisher vernachlässigt hat, so falsch wäre es,
jetzt nur noch die Outputs gelten zu lassen. Nicht nur die Ergebnisse
sind wichtig. In allen ernst zu nehmenden Qualitätsmanagementmodellen
von Wirtschaft und Dienstleistung zählen ebenso der Input und der
Prozess. Das ist internationaler Standard. Er gilt erst recht für
pädagogische Einrichtungen, bei denen wichtig ist, wie Ergebnisse
zu Stande kommen: zentral von der Lehrkraft gesteuert und eng geführt
oder eigentätig, kooperativ und selbstkontrolliert, ob in demokratischer
oder autokratischer Weise."
2. Bildungsstandards haben restriktive Rückwirkungen
"Es fällt tendenziell heraus, was dem kognitionswissenschaftlichen
Kompetenzbegriff nicht genügt, was zu wenig fachlich gerahmt ist
und letztlich sogar, was sich nicht auf Stufenskalen abbilden lässt
- also beispielsweise Emotionales, Musisches und Ästhetisches oder
Überfachliches. Wenn man die Stufenlogik wirklich ernst nähme, dann
blieben äußerst wenig Lernbereiche für Teststandards übrig. Behauptet
sie doch, dass sich Lernen in klar abgrenzbarer, aufeinander aufbauender,
einer festgelegten Reihenfolge gehorchenden Stufung vollzieht. Das
aber ist umstritten."
3. Lehrer geraten in die unpädagogische Abhängigkeit von Testinstituten
"Lehrkräfte [sind] nicht in der Lage […], die Kompetenztests selbst
auszuwerten. […] Das führt eher zu einer Deprofessionalisierung.
Lehrer kommen kaum umhin, sich nach den Beispielaufgaben der Tests
zu richten. So wird "teaching to the test" die Regel."
4. Test haben die Tendenz sich selbstständig zu machen und zu überhöhen
"Teststandards erhöhen also die Ansprüche, ohne die Mittel der Realisierung
zu liefern. Das vergrößert die Belastung. […] Teststandards können
mehr demotivieren als motivieren."
5. Einspruch gegen eine sich abzeichnende Zentralisierung
[…] die wirksamsten Lernfeststellungen sind die, die Lehrkräfte
selbst in ihren Klassen durchführen - mit einfachen Tests, die sie
selbst auswerten, Klassenarbeiten, Hausaufgaben oder Datenfeedbacks."
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